März 28 2020

Mehrsprachige Kinderbücher und ihre Einsatzmöglichkeiten: Allgemeines

Buchregale, weiß

Sprachen im Allgemeinen

Wenn es innerhalb der Mehrsprachigkeit vier Wirklichkeiten gibt, was macht dann Mehrsprachigkeit aus? Um sich dieser Frage zu nähern, sollte zunächst geklärt werden, wozu der Mensch überhaupt Sprache benötigt und was Sprache ist.

Die erste Frage, wozu der Mensch Sprache benötigt, ist einfach zu beantworten. „Sprache dient der Vermittlung unserer Gedanken, Gefühle, Absichten und Bedürfnisse.“1aa 

Die zweite Frage ist nicht mit einem Satz zu beantworten.
     Jede Sprache besteht aus zwei Ebenen: Grammatik und einem höchst komplexen System von Symbolen1ab der wie Benjamin Lee Whorf es ausdrückt: „ein System der natürlichen Logik“.2
     Alle menschlichen Sprachen haben eine Systematik, die sich anhand der Grammatik zeigt. Jedoch trifft die Systematik nicht immer zu, was sich an den Ausnahmen der Verbbildung und der bestimmten Artikelzuordnung im Deutschen zeigt. Deshalb ist es auch nicht einfach, die deutsche Sprache zu erlernen, zumal es in einigen Sprachen keine Artikel gibt oder am Verb das Tempus wie Präsens oder Futur erkennbar ist, wie in der türkischen Sprache.3 Einige kennen diese Form aus dem Lateinunterricht. Im Lateinischen wird nach einem bestimmten System der Konjugation noch ein oder mehrere Buchstaben an das Verb gehangen, das zum Ausdruck bringt, welche Person und Zeit gemeint ist.

Zusammensetzung der Sprache

Um sich dem komplexen System der Sprache anzunähern, haben die Linguisten ein theoretisches Modell entwickelt. Demnach setzt sich eine Sprache aus vier Teilbereichen zusammen, wobei die Sprachkenntnis die Grundlage bildet.

Erläuterung der Begriffe:

Sprachkenntnis: Eine Sprachkenntnis liegt dann vor, wenn ein Mensch Kenntnisse über Vokabeln, Grammatik und ähnliches verfügt (sie müssen nicht im Bewusstsein des Menschen sein, wie beispielsweise bei Kindern). Dabei reicht es aus, Kenntnisse über eine Sprache zu haben, die aber nicht zwangsläufig angewendet werden muss.
     Häufig sind Sprachkenntnisse bei Schülern anzutreffen, die eine oder mehrere weitere Sprachen lernen, über Kenntnisse verfügen, aber ansonsten diese Sprachen nicht weiter außerhalb des Unterrichts anwenden.1ba

Sprachkompetenz: Hierunter versteht man, dass ein Mensch über ein Sprachwissen verfügt und diese auch anzuwenden weiß, wie beispielsweise „das abstrakte Regelwissen“ (Grammatik).

Sprachdominanz: Hierbei handelt es sich um die bevorzugte Sprache zum gegenwärtigen Zeitpunkt eines mehrsprachigen Individuums (hierbei werden Dialekte und ähnliches als eine weitere Sprache anerkannt).

Sprachperfomanz: Zeigt sich „im individuellen Sprachgebrauch und den Äußerungen eines Sprechers.“

Wie oben schon erwähnt, ist die Sprachkenntnis eine Grundvoraussetzung für eine Sprache, dabei ist es ohne Belang ob man Kenntnisse über die Grammatik hat oder ob man diese Sprache anwendet.
     Auf die Sprachkenntnis bauen sich die drei weitere Sprachbereiche auf.
     Sobald ein Mensch spricht oder schreibt, hat er ähnlich wie bei dem einzigartigen Fingerabdruck, eine individuelle Ausdrucksform (Sprachperfomanz).
     Die Sprachkompetenz kann erst im Alter von ungefähr ab 7 Jahren erworben werden, da man hierfür über die Sprachkenntnis hinaus noch weitere Fähigkeiten wie Logik benötigt.


Einzelnachweise:

1: Vgl. Wiebke Scharff Rethfeldt: Kindliche Mehrsprachigkeit, Grundlagen und Praxis der sprachtherapeutischen Intervention, Georg Thieme Verlag – Stuttgart – New York 2013
1aa, 1ab: S. 13
1ba: S. 37

2: Vgl. Benjamin Lee Whorf: Sprache – Denken – Wirklichkeit. Beiträge zur Metalinguistik und Sprachphilosophie, Rowohlt Taschenbuch – Reinbek bei Hamburg (21), S. 7

3: Vgl. Erkan Gürsoy (): Sprachbeschreibung Türkisch, Universität Duisburg Essen – 2010, S. 8 ff. (PDF)


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Veröffentlicht28. März 2020 von sokrates in Kategorie "Literaturwissenschaft