Symbol Mauer: Trennung zwischen hier und dort

Wenn irgendein Symbol kontinuierlich in der Weltliteratur Verwendung gefunden hat und heute noch findet, dann ist es neben dem Wasser die Mauer. Das ist nicht weiter verwunderlich, da Häuser aus Mauern gebaut werden, Stadtmauern lange die Landschaft prägten und man schreckte auch nicht davor zurück, lange Schutzwälle zu bauen um sich vor anderen Völkern zu schützen, man denke nur an den Limes, womit sich die Römer vor den Germanen schützen wollten, oder an die Chinesische Mauer zum Schutz vor den Angriffen der Mongolen, oder an die Mauer, die Ost- und Westdeutschland für Jahrzehnte voneinander trennen sollten.

Mauern vermitteln grundsätzlich: wir hier drinnen und ihr da draußen, sie haben immer etwas Trennendes. Und doch weisen sie alle eine gewisse Durchlässigkeit auf, je nach Zweck können sich die Getrennten besuchen, auch Handel ist möglich. Wie die Durchlässigkeit gestaltet wird, hängt von dem Auftraggeber ab sowie teilweise vom historischen Verlauf.

Mauern bestehen entweder aus Holz, Lehm, Ziegeln, Steinen oder Beton und Stahl, möglich ist auch, dass ein Mauerwerk verschiedene Materialien aufweist. Jedoch kann jede Mauer irgendwann durchbrochen und überwunden werden.

Die Mauer in der Literatur

Im bisher ältesten Epos der Welt, im Gilgamesch-Epos, bildet die Mauer ein Symbol, vor allem hinsichtlich der Stadtmauer von Uruk.
     In dem märchenhaften Roman „Stadt aus Sand“ von Pierdomenico Baccalario, Enzo d‘Aló und Gaston Kaboré lebt in dem Schloss, welches aus Sand gebaut wurde, ein boshafter Fürst, der einem die Seele stiehlt, sobald man seinen Namen auch nur denkt. Für die Einwohner der Stadt aus Sand bildet das Schloss für sie eine Barriere, umgekehrt jedoch nicht.
     Im Kinderbuch „Murus“ von Martina Wildner geht es um die Mauer, die die gesamte Welt in zwei Hälften teilt. Auf der einen Seite der Mauer leben die Menschen in Armut, sie wissen jedoch nicht, wie die Menschen auf der anderen Seite der Mauer leben. Ähnlich ist es auch im Kinderbuch „Jenseits der Finsterbach-Brücke“ von Antonia Michaelis. Lasse lebt auf dem Norderhof, Joern in der Schwarzen Stadt. Den beiden Kindern gelingt das, was Erwachsene sich nicht zugetraut haben, nämlich über die Mauer zu schauen und diese dann letztendlich zu überwinden.

Hauptmotiv in (Auswahl):

– Pierdomenico Baccalario, Enzo d‘Aló und Gaston Kaboré: Stadt aus Sand (Kinderbuch)

– Gottfried Benn: Ein Schatten an der Mauer (Gedicht)

– Clemens Brentano: Die Gottesmauer (Gedicht)

– Clemens Brentano: Die ummauerte Seele und der Epheu (Gedicht)

– Antonia Michaelis: Jenseits der Finsterbach-Brücke (Kinderbuch)

Peter Sís (amerikanischer Schriftsteller): Die Mauer. Wie es war, hinter dem Eisernen Vorhang aufzuwachsen (übersetzt von Michael Krüger, Originaltitel: The Wall: Growing Up Behind the Iron Curtain, erschienen 21.08.2007, Bilderbuch), bei: Carl Hanser Verlag

– Martina Wildner: Murus (Jugendbuch)